Viele Betriebe erleben es nach dem Start ihrer neuen Website: Sie sieht besser aus, lädt schneller, und trotzdem kommen über Google plötzlich weniger Anfragen. Der Grund liegt selten im Design. Meist sind beim Umzug Adressen verschwunden, Weiterleitungen fehlen oder die Testumgebung war noch für Suchmaschinen gesperrt. Dieser Beitrag zeigt, was bei einem Relaunch für die Auffindbarkeit wirklich zählt und wie Sie den Umstieg so planen, dass Google Ihre bisherige Arbeit nicht vergisst.
Worum es geht
Google kennt Ihre Website nicht als Ganzes, sondern als Sammlung einzelner Adressen. Jede Unterseite hat ihre eigene Geschichte: Links von anderen Websites, Klicks aus der Suche, Signale, die sich über Jahre angesammelt haben. Ändert sich bei einem Relaunch die Adresse einer Seite, ohne dass die alte Adresse auf die neue verweist, beginnt diese Seite für Google praktisch bei null. Die alte Adresse liefert dann eine Fehlermeldung, und Besucher landen im Leeren.
Die Lösung ist eine dauerhafte Weiterleitung. Der Server antwortet auf die alte Adresse mit dem Statuscode 301 oder 308 und nennt die neue. Laut der Google-Dokumentation zu Weiterleitungen wertet Google das Ziel einer dauerhaften Weiterleitung als starkes Zeichen dafür, dass die neue Adresse die maßgebliche ist. Vorübergehende Weiterleitungen wie 302 haben diese Wirkung nicht. Auch die Entwicklerdokumentation von MDN zum Statuscode 301 beschreibt, dass Suchmaschinen Links auf die alte Adresse der neuen zuordnen.
Google beschreibt den Ablauf eines Umzugs mit geänderten Adressen in einem eigenen Leitfaden zum Website-Umzug. Die wichtigsten Punkte daraus:
- Weiterleitungen sollen möglichst lange bestehen bleiben, in der Regel mindestens ein Jahr.
- Viele alte Adressen pauschal auf die Startseite umzuleiten, ist keine Lösung. Google kann solche Weiterleitungen wie eine fehlende Seite behandeln.
- Ketten aus mehreren Weiterleitungen hintereinander sollten Sie vermeiden und direkt auf das endgültige Ziel verweisen.
- Interne Links der neuen Website zeigen direkt auf die neuen Adressen, nicht auf alte, die erst weitergeleitet werden.
- Jede neue Seite gibt ihre eigene Adresse als kanonische Adresse an.
- Die neue Sitemap reichen Sie in der Google Search Console ein.
Eine feste Dauer, nach der sich alles eingependelt hat, nennt Google nicht. Bei kleinen und mittleren Websites spricht der Leitfaden von einigen Wochen, bis der Großteil der Seiten unter den neuen Adressen erscheint. Schwankungen in dieser Zeit sind normal.
Was das für Betriebe in Österreich heißt
Die meisten Websites von Betrieben in Österreich sind überschaubar: einige Leistungsseiten, ein Über-uns-Bereich, vielleicht ein Blog. Gerade dort entscheidet oft eine Handvoll Seiten über den Großteil der Anfragen, etwa die Seite zu Ihrer wichtigsten Leistung in Ihrer Region. Geht genau diese Seite beim Umzug verloren, spüren Sie das sofort.
Typische Stolperfallen sehen wir immer wieder:
- Die neue Website hat eine andere Seitenstruktur, und niemand hat festgehalten, welche alte Adresse wohin gehört.
- Beim Wechsel des Systems, etwa weg von WordPress, ändern sich Adressen automatisch, zum Beispiel durch Datumsangaben im Pfad oder fehlende Schrägstriche am Ende.
- Die Testumgebung war mit „noindex“ gesperrt, und diese Sperre ging mit online.
- Alte PDF-Dateien, Kategorieseiten oder Bildadressen, die von außen verlinkt waren, wurden vergessen.
- Texte, die gut gefunden wurden, wurden beim Neuschreiben stark gekürzt oder ganz gestrichen.
Wir haben unsere eigene Website am 28. Oktober 2026 auf ein neues System umgestellt. Alle 16 Seiten, die bei Google im Index standen, behielten dieselbe Adresse. Für 18 weitere Adressen, etwa alte Datumspfade und eine PDF-Datei, haben wir dauerhafte Weiterleitungen auf die passende neue Seite eingerichtet. Acht Adressen ohne Nachfolger, darunter alte Feed-Adressen, melden seither ausdrücklich, dass es sie nicht mehr gibt. Keine Regel leitet pauschal auf die Startseite. Dieser Plan entstand vor dem Umbau, nicht danach.
Wechseln Sie bei einem Relaunch auch die Domain, kommt ein weiterer Schritt dazu. Die Search Console bietet dafür das Tool zur Adressänderung. Es ist nur bei einem Wechsel der Domain oder Subdomain nötig, nicht bei geänderten Pfaden auf derselben Domain. Die alte Domain sollten Sie laut Google mindestens ein Jahr weiter registriert lassen. Auch Bing empfiehlt in seinem Beitrag zu Website-Umzügen, Weiterleitungen lange bestehen zu lassen und die Zugriffe nach dem Start genau zu beobachten.
Was Sie jetzt tun können
Ein sauberer Relaunch beginnt mit einer Bestandsaufnahme. Diese Schritte haben sich bewährt:
- Alle Adressen erfassen: aus der Sitemap, der Search Console und einem Durchlauf über die bestehende Website. Vergessen Sie Dateien wie PDFs nicht.
- Wichtige Seiten markieren: In der Search Console sehen Sie, welche Seiten Impressionen und Klicks bringen. Diese Inhalte übernehmen Sie sinngemäß, statt sie zu streichen.
- Adressplan erstellen: Jede alte Adresse bekommt eine neue Ziel-Adresse oder bewusst keinen Nachfolger. Am einfachsten ist es, Adressen gleich zu lassen, wo es geht.
- Testumgebung absichern: Die neue Website entsteht auf einer gesperrten Testadresse. Vor dem Start prüfen Sie, dass Sperren wie „noindex“ und Einträge in der robots.txt nicht mit online gehen.
- Nach dem Start prüfen: Rufen Sie jede alte Adresse auf und kontrollieren Sie, ob sie mit 301 auf das richtige Ziel führt. Reichen Sie die neue Sitemap ein.
- Wochen danach beobachten: Behalten Sie Seitenberichte, Impressionen und Fehlermeldungen in der Search Console im Blick und korrigieren Sie Lücken rasch.
Wie Ihre aktuelle Website technisch dasteht, zeigt Ihnen der kostenlose Website-Check in rund 30 Sekunden. Wenn Sie einen Neubau planen, erklären wir auf der Seite Website-Relaunch, wie wir Rankings beim Umstieg sichern. Mehr zu den Grundlagen lesen Sie in unseren Beiträgen Was ist SEO? und Was kostet eine Website?
Häufige Fragen
Verliert man bei einem Relaunch immer Rankings?
Nein, aber ein Risiko besteht bei jedem Umbau. Mit vollständigem Adressplan, dauerhaften Weiterleitungen und Kontrolle nach dem Start lässt es sich deutlich verringern. Kurzfristige Schwankungen sind möglich, eine Garantie für bestimmte Positionen gibt es nicht.
Wie lange müssen Weiterleitungen bestehen bleiben?
Google empfiehlt, sie so lange wie möglich zu behalten, in der Regel mindestens ein Jahr. Solange noch Besucher oder Links über alte Adressen kommen, sollten Sie sie nicht entfernen.
Reicht es, alle alten Seiten auf die Startseite umzuleiten?
Nein. Leiten Sie jede alte Adresse auf die inhaltlich passende neue Seite. Pauschale Weiterleitungen auf die Startseite kann Google wie eine fehlende Seite werten.
Muss ich Google über den Relaunch informieren?
Bei gleicher Domain reicht es, die neue Sitemap in der Search Console einzureichen. Das Tool zur Adressänderung brauchen Sie nur, wenn sich die Domain selbst ändert.
