Neben „Alle“, „Bilder“ und „News“ steht in der Google-Suche seit einiger Zeit ein weiterer Reiter: „KI-Modus“. Wer ihn anklickt, bekommt keine Liste mit zehn blauen Links mehr, sondern eine ausformulierte Antwort mit Quellenangaben und der Möglichkeit, nachzufragen. Für Betriebe stellt sich damit die Frage, ob ihre Website dafür etwas Neues braucht. Dieser Beitrag erklärt, was hinter dem KI-Modus steckt, was Google selbst dazu sagt und welche Hausaufgaben sich daraus ergeben.
Worum es geht
Google hat den KI-Modus, international „AI Mode“ genannt, im Oktober 2025 deutlich ausgeweitet. Laut dem Google-Blog vom 7. Oktober 2025 kamen mehr als 35 Sprachen und über 40 Länder und Gebiete dazu, womit die Funktion in über 200 Ländern und Gebieten verfügbar ist. In Österreich tauchte der neue Reiter laut futurezone in diesen Tagen auf. Die Google-Hilfe zum KI-Modus nennt Deutsch ausdrücklich als unterstützte Sprache.
Vom bekannteren Kasten „Übersicht mit KI“, der über manchen Suchergebnissen erscheint, unterscheidet sich der KI-Modus in einem wesentlichen Punkt: Er ist als Gespräch angelegt. Nutzerinnen und Nutzer können lange, verschachtelte Fragen stellen und danach weiterfragen, ohne von vorne zu beginnen. Google schreibt im genannten Blogbeitrag, dass Fragen im KI-Modus fast dreimal so lang sind wie bei einer herkömmlichen Suche.
Technisch zerlegt der KI-Modus eine Frage laut Google-Hilfe in Unterthemen, recherchiert diese gleichzeitig in mehreren Datenquellen und fügt die Ergebnisse zu einer Antwort zusammen. Fachleute nennen das „Query Fan-out“. Die Antwort enthält Links zu Webseiten, auf die sie sich stützt. Google weist selbst darauf hin, dass der KI-Modus nicht immer richtig liegt und wichtige Informationen anhand mehrerer Quellen geprüft werden sollten.
Für Website-Betreiber ist die zentrale Frage: Wie kommt man in diese Antworten? Die Dokumentation zu KI-Funktionen in der Google-Suche gibt eine nüchterne Antwort. Damit eine Seite als Quelle in Frage kommt, muss sie indexiert sein und für ein Snippet in der normalen Suche zugelassen sein. Darüber hinaus gibt es keine zusätzlichen technischen Anforderungen. Es braucht weder spezielle Dateien noch eigenes Markup.
Was das für Betriebe in Österreich heißt
Für einen Installateur in Leoben, eine Pension am Wörthersee oder ein Architekturbüro in Innsbruck ändert sich zunächst die Art, wie Kundschaft sucht. Statt „Installateur Leoben“ tippt jemand vielleicht: „Meine Therme verliert Druck, was kann das sein und wer in der Nähe von Leoben repariert Vaillant-Geräte auch am Samstag?“ Der KI-Modus teilt diese Frage auf: mögliche Ursachen, Anbieter in der Region, Öffnungszeiten, Marken. Für jeden Teil sucht er passende Quellen.
Daraus folgen drei Punkte, die wir für entscheidend halten:
- Konkrete Inhalte gewinnen. Eine Seite, die nur „Wir bieten Top-Service“ sagt, liefert für keine dieser Teilfragen eine brauchbare Antwort. Eine Seite, die Leistungen, Marken, Einsatzgebiet und Erreichbarkeit klar beschreibt, kann gleich mehrere Teile abdecken.
- Die Grundlagen der klassischen Suche bleiben die Eintrittskarte. Wenn eine Seite nicht indexiert ist, weil die robots.txt sie sperrt oder ein vergessenes „noindex“ im Code steht, taucht sie auch im KI-Modus nicht auf. Wer bei Google heute schon schlecht gefunden wird, wird durch den KI-Modus nicht plötzlich sichtbar.
- Weniger Klicks sind möglich, aber nicht das ganze Bild. Wenn die Antwort eine Frage bereits beantwortet, klicken manche Menschen nicht weiter. Google argumentiert in einem Beitrag im Search Central Blog vom Mai 2025, dass Klicks von Ergebnisseiten mit KI-Übersicht tendenziell hochwertiger seien: Die Menschen bleiben länger auf der Seite, weil sie schon besser informiert ankommen. Ob das für Ihren Betrieb zutrifft, sollten Sie selbst anhand von Anfragen und Buchungen messen, nicht nur anhand der Klickzahl.
Wichtig für die Auswertung: Laut Google-Dokumentation fließen Aufrufe und Klicks aus den KI-Funktionen in den Leistungsbericht der Search Console ein, und zwar unter dem Suchtyp „Web“. Einen eigenen Filter nur für den KI-Modus gibt es dort derzeit nicht. Wer also seine Zahlen beobachtet, sieht die Wirkung nur gesamt.
Ein Punkt wird oft übersehen: Für Fragen mit Ortsbezug greift Google auch auf das Unternehmensprofil zurück. Der Search-Central-Beitrag nennt ausdrücklich aktuelle Angaben im Unternehmensprofil als Grundlage. Veraltete Öffnungszeiten oder eine falsche Telefonnummer können also direkt in einer KI-Antwort landen.
Vorsicht ist bei Angeboten geboten, die eine „Platzierung im KI-Modus“ versprechen. Google beschreibt keinen Weg, die Auswahl der Quellen gezielt zu steuern. Eine seriöse Agentur kann die Voraussetzungen verbessern, aber kein Ergebnis zusagen.
Was Sie jetzt tun können
Die gute Nachricht: Was Ihnen im KI-Modus hilft, hilft auch in der normalen Suche. Diese Schritte sind sinnvoll:
- Indexierung prüfen: Kontrollieren Sie in der Google Search Console, ob Ihre wichtigsten Seiten indexiert sind. Wie Sie Suchmaschinen und KI-Crawler über die robots.txt steuern, lesen Sie in unserem Beitrag zur robots.txt.
- Fragen Ihrer Kundschaft beantworten: Sammeln Sie die zehn Fragen, die Sie am Telefon am häufigsten hören, und beantworten Sie sie auf der passenden Leistungsseite. Kurze, klare Absätze sind für Menschen und Maschinen leichter zu erfassen.
- Einzugsgebiet und Leistungen ausschreiben: Nennen Sie als Text, welche Orte Sie betreuen und was genau Sie anbieten. Bilder und PDFs allein reichen nicht.
- Unternehmensprofil aktuell halten: Öffnungszeiten, Kategorien, Leistungen und Fotos regelmäßig prüfen. Unser Leitfaden zum Unternehmensprofil zeigt, worauf es ankommt.
- Strukturierte Daten sauber halten: Was im Code steht, etwa Adresse oder Öffnungszeiten, muss mit dem sichtbaren Text übereinstimmen.
- Bilder ergänzen: Google empfiehlt hochwertige Fotos und Videos zum Text, weil Menschen zunehmend auch mit Bildern suchen.
- Erfolg richtig messen: Beobachten Sie Anfragen, Anrufe und Buchungen, nicht nur Klicks. So erkennen Sie, ob Besuche aus der Suche wertvoller werden, auch wenn es weniger sind.
Was Sie nicht brauchen: eine eigene „KI-Datei“ oder Spezialmarkup. Warum etwa eine llms.txt für die Google-Suche keinen Unterschied macht, erklären wir im Beitrag zur llms.txt.
Häufige Fragen
Kann ich meine Website aus dem KI-Modus ausschließen?
Google nennt dafür die bekannten Vorschau-Einstellungen wie „nosnippet“, „data-nosnippet“, „max-snippet“ und „noindex“. Sie wirken aber auch auf die normale Suche. Wer sie streng setzt, schränkt die eigene Sichtbarkeit insgesamt ein. Für die meisten Betriebe ist das nicht sinnvoll.
Sehe ich in der Search Console, wie oft meine Seite im KI-Modus erscheint?
Nur indirekt. Laut Google zählen Aufrufe und Klicks aus KI-Funktionen zum Gesamtwert im Leistungsbericht unter „Web“. Einen getrennten Bericht nur für den KI-Modus gibt es derzeit nicht.
Muss ich meine Website jetzt umbauen?
In der Regel nicht. Wenn Ihre Seiten indexiert sind, schnell laden und Ihre Leistungen klar beschreiben, haben Sie die wichtigsten Voraussetzungen. Lohnend ist meist, bestehende Seiten um konkrete Antworten und aktuelle Angaben zu ergänzen.
Ersetzt der KI-Modus die normale Google-Suche?
Nein. Der KI-Modus ist ein zusätzlicher Reiter, die klassische Ergebnisliste bleibt bestehen. Wie stark Menschen in Österreich ihn nutzen, veröffentlicht Google nicht im Detail. Es lohnt sich daher, beide Wege im Blick zu behalten.
